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Roche eröffnet neues Diagnostikzentrum in Penzberg

Roche Diagnostics hat rund 300 Mio. Euro in ein Diagnostik-Innovationszentrum am Standort Penzberg investiert, das nach rund vierjähriger Bauzeit Mitte Februar eröffnet wurde. Die hohe Bundes- und Landespolitik traf sich zur Besichtigung vor Ort.

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Wenn sich Bundesminister und ein Ministerpräsident in Penzberg versammeln, dann gibt es etwas bei Roche im Nonnenwald zu feiern oder zu bestaunen. Wenn dann alle auch noch der bayerischen „Heimatspartei“ angehören, hat das Zusammentreffen von Bundes- und Landespolitik mit einem Bundesinnenminister (dessen Wahlkreis rings um Penzberg liegt), einer Bundesforschungsministerin und dem bayerischen Ministerpräsidenten Söder etwas von einer kleinen CSU-Klausur mit Bergblick.

Doch man feiert damit nicht nur sich selbst, sondern das gerade in unsicheren Zeiten hoffnungsfroh stimmende anhaltende Standortvertrauen des Pharma- und Diagnostik-Konzerns Roche in die bayerische Alpenregion. In den rund 23.000 Quadratmeter großen Neubau investierte das Unternehmen seit dem Baustart im Februar 2022 etwa 300 Mio. Euro. Das Zentrum ist Teil einer umfassenden Investitionsagenda: Seit 2020 flossen mehr als 3,5 Mrd. Euro in die deutschen Roche-Standorte, rund die Hälfte davon nach Penzberg.

Neubau für 1.000 Beschäftigte

Künftig werden mehr als 1.000 der insgesamt rund 7.700 Beschäftigten am Standort in dem Gebäude arbeiten. Auf einer Fläche von etwa drei Fußballfeldern bündelt Roche seine Aktivitäten zur Entwicklung von In-vitro-Diagnostika, unter anderem für neurologische Erkrankungen wie Alzheimer und Multiple Sklerose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionskrankheiten sowie für Anwendungen in der personalisierten Medizin.

Roche-CEO Thomas Schinecker bezeichnete die Investition als klares Bekenntnis zum Innovationsstandort Deutschland und verband sie mit der Erwartung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen, um Deutschland zu einem führenden Pharma- und Biotech-Standort zu entwickeln.

Digitalisierung und Automatisierung im Fokus

Das Innovationszentrum setzt stark auf digitale Vernetzung, Automatisierung und Robotik. Rund 630 Kilometer Datenkabel und mehr als 4.400 Sensoren sorgen für eine umfassende Echtzeitüberwachung von Energieverbrauch, Geräte- und Arbeitsplatzbelegung. Ziel ist es, zentrale Schritte der Testentwicklung um rund 30 Prozent zu beschleunigen.

Herzstück des Gebäudes ist ein vollautomatisiertes Probenlager („Cube“), in dem 2,5 Millionen biologische Proben bei minus 80 Grad Celsius gelagert werden. Die Proben stehen Forschern automatisiert und in gleichbleibender Qualität zur Verfügung. Ergänzt wird dies durch Hochdurchsatz-Pipettiersysteme, automatisierte Transportsysteme und ein digitales Gerätemanagement. Roche verspricht sich davon kürzere Entwicklungszeiten, höhere Reagenzienqualität und eine schnellere Überführung neuer Tests in die klinische Anwendung.

Nach Unternehmensangaben basieren rund 70 Prozent aller medizinischen Entscheidungen auf diagnostischen Ergebnissen, während nur etwa drei Prozent der Gesundheitsausgaben in diesen Bereich fließen. Eine frühzeitige und präzisere Diagnostik könne daher sowohl Therapieerfolge verbessern als auch Folgekosten im Gesundheitssystem senken.

Neue Arbeitskonzepte

Architektonisch setzt Roche auf prozessbasierte Laborwelten statt klassische Abteilungsstrukturen. Teams sollen fachübergreifend zusammenarbeiten und Geräte gemeinsam nutzen. Ein tätigkeitsbasiertes Bürokonzept mit offenen Flächen, Atrium und Kommunikationszonen soll den Austausch fördern. Auch energetisch setzt das Unternehmen auf neue Standards. Der Bürotrakt wurde in Holz-Hybridbauweise errichtet und zählt laut Roche zu den größten Projekten dieser Art in Bayern. Ein intelligentes Energiemanagement, die Nutzung eines Niedertemperaturnetzes aus Abwärme sowie eine Photovoltaikanlage mit 130 Kilowatt-Peak auf dem Dach ermöglichen nach Unternehmensangaben einen CO2-freien Betrieb. Im Vergleich zu früheren Laborgebäuden soll der Energiebedarf um rund 70 Prozent reduziert werden.

Das Gebäude soll im Juni 2026 vollständig in Betrieb gehen. Mit dem neuen Zentrum stärkt Roche nach eigenen Angaben in Penzberg seine Rolle als globaler Entwicklungsstandort für Diagnostik und unterstreicht zugleich die strategische Bedeutung Deutschlands im internationalen Forschungsverbund des Konzerns.

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